MAGNESIA KLETTERGUIDE

Chronik · 11. November 2019

From Hammer to Drill: der Filmabend über Petr Slanina in der Magnesia

Ein 30-minütiger Film über einen der produktivsten Erstbegeher des böhmischen Sandsteins, gezeigt im Boulderraum einer Kreisstadthalle.

Am 24. November 2019 lud die Kletterhalle Magnesia in Forchheim zu einem Filmabend in den Boulderraum. Gezeigt wurde ein damals unveröffentlichter Film von rund 30 Minuten Länge über Petr „Spek“ Slanina, einen tschechischen Kletterer, der im böhmischen Sandstein Tausende Erstbegehungen im traditionellen Stil eingerichtet hat. Beginn war 19 Uhr, der Eintritt frei beziehungsweise auf Spendenbasis; eine Spendenbox deckte die Unkosten und finanzierte Material für weitere Erstbegehungen. Der Kletterbetrieb lief währenddessen weiter.

Der Titel des Films nennt das Thema präzise: Hammer und Bohrmaschine sind die beiden Werkzeuge, mit denen eine neue Route überhaupt erst zu einer Route wird. Wer eine Linie erstbegeht, entscheidet, wo Sicherungspunkte sitzen, wie weit sie auseinanderliegen und ob eine Stelle überhaupt abzusichern ist. Diese Entscheidungen treffen alle, die nach ihm kommen, mit – Jahrzehnte lang.

Warum der böhmische Sandstein ein eigener Maßstab ist

Das Klettern im böhmischen und sächsischen Sandstein folgt Regeln, die anderswo unbekannt sind und die das Erstbegehen dort zu einer besonderen Disziplin machen. Metall darf nicht in den Fels: keine Klemmkeile, keine Friends. Gesichert wird mit geknoteten Seilschlingen, die in Rissen und Sanduhren klemmen, und mit Ringen, die der Erstbegeher gesetzt hat. Diese Ringe liegen oft weit auseinander, weil jeder zusätzliche Ring als Eingriff in den Fels gilt. Magnesia ist untersagt, obwohl die Halle in Forchheim genau diesen Namen trug – der weiche Sandstein nimmt Schaden, und nasser Fels wird ohnehin nicht geklettert, weil er dann bricht.

Unter diesen Bedingungen bedeutet eine Erstbegehung etwas anderes als im Kalk des Frankenjura. Sie ist keine Frage der Schwierigkeit allein, sondern eine Frage der Verantwortung: Wie viel Absicherung ist vertretbar, ohne den Charakter einer Linie zu zerstören? Eine vierstellige Zahl an Erstbegehungen in diesem Stil, wie sie Slanina zugeschrieben wird, ist deshalb kein Mengenrekord, sondern ein Arbeitsleben am Fels.

Ein Filmabend als Vereinsarbeit ohne Verein

Für eine Halle dieser Größe war ein solcher Abend nicht selbstverständlich. Ein Filmabend im Boulderraum bringt keinen Umsatz: Der Eintritt war frei, die Spenden gingen nicht an die Halle, sondern in Material für weitere Erstbegehungen. Was er brachte, war etwas anderes – er machte aus einer Sporteinrichtung für zwei Stunden einen Ort, an dem sich Leute trafen, die dasselbe Thema interessiert.

Dieses Muster zieht sich durch die Betriebszeit der Halle. Sie war 2003 im denkmalgeschützten Kesselhaus einer ehemaligen Spinnerei eröffnet worden, sie hatte ein eigenes Routenteam, das bis kurz vor der Schließung neue Linien schraubte, und sie trug mit dem Frankenjura Lead Cup eine regionale Wettkampfserie aus. Der Filmabend im November 2019 gehört in dieselbe Reihe: Angebote, die über das Vermieten von Wandfläche hinausgingen.

Zeitlich liegt der Abend kurz vor der Zäsur. Das Frühjahr 2020 unterbrach den Betrieb, im September 2021 schloss die Halle endgültig. Der November 2019 war damit eine der letzten Gelegenheiten, an denen in Forchheim ein Publikum im Boulderraum saß, ohne dass jemand ahnte, wie knapp die verbleibende Zeit war.

Erstbegehung, kurz erklärt

Eine Erstbegehung ist das erste vollständige Durchsteigen einer neuen Linie. Am Fels gehört dazu meist die Erschließung: Putzen, das Setzen von Sicherungspunkten, oft mehrere Versuche über Wochen. Wer die Linie zuerst durchsteigt, darf sie benennen und schlägt eine Bewertung vor, die sich erst durch Wiederholungen einspielt. In der Halle übernimmt diese Rolle das Routenteam, nur ohne Dauerhaftigkeit: Eine geschraubte Route bleibt einige Monate, dann wird die Wand neu belegt. Am Fels bleibt sie, solange der Fels steht.

Weitere Stationen aus der Betriebszeit stehen in der Chronik. Wie in der Halle selbst geschraubt und bewertet wurde, steht im Hallentopo; die Eckdaten der Halle stehen im Hallenprofil.

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