Hallenprofil
Die Kletterhalle Magnesia in Forchheim: Geschichte und Routen
Von der Eröffnung im alten Kesselhaus 2003 bis zum letzten Betriebstag im September 2021, mit den Zahlen, die sich belegen lassen.

Die Kletterhalle Magnesia in Forchheim war von 2003 bis 2021 die Kletteradresse der Stadt. Sie stand nicht in einer Gewerbehalle am Stadtrand, sondern im denkmalgeschützten Kesselhaus der ehemaligen Spinnerei, und dieser Umstand hat die Anlage bis zuletzt geprägt. Diese Seite hält fest, was sich über die Halle belegen lässt: Eckdaten, Sektoren, Angebot und die Tarife aus der Betriebszeit.
Alle Angaben beziehen sich auf den Zustand vor der Schließung. Sie sind ein Rückblick, keine Besuchsinformation. Wer heute klettern will, findet die aktuellen Möglichkeiten unter Klettern in Forchheim.
Geschichte: 18 Jahre im Kesselhaus
Die Geschichte der Halle beginnt im Oktober 2003. Albrecht Waasner hatte das alte Kesselhaus entkernt und eine Kletteranlage hineingebaut. Die Gestaltungsentscheidung stand von Anfang an fest und ist in der Selbstdarstellung der Halle nachzulesen: weder eine nachgebaute Plastik-Felslandschaft noch eine kühle Turnhalle. Stattdessen warme Farben, Grünpflanzen neben der Ruhezone und eine breite Panoramatreppe hinauf in den Kletterbereich.
Diese Geschichte hat einen Bruch im Jahr 2020: Waasner starb, die Halle verabschiedete ihn öffentlich. Die Pandemie kam dazu, mit Schließung im März 2020, Wiedereröffnung im Juni, erneuter Schließung im November und einem Neustart im Mai 2021. Am Abend des 26. September 2021 gab das Team die endgültige Schließung bekannt, wirksam ab dem folgenden Montag. In der Mitteilung war von „verschiedenen Faktoren der letzten Zeit und aus dem Umfeld“ die Rede.
Die vollständige Abfolge dieser Jahre, mit den Mitteilungen im Wortlautbezug, steht in der Chronik der Halle.
Eckdaten der Anlage
| Kletterfläche | 1.400 m² |
|---|---|
| Boulderfläche | 200 m² in einem eigenen Raum von 110 m² Grundfläche |
| Wandhöhe | 10,5 m und 12 m |
| Routenlänge | bis 20 m |
| Routenanzahl | 180 bis 200 |
| Schwierigkeitsspektrum | Grad 3 bis 10+ |
| Topropes | 17 ständig eingerichtet |
| Hochseilgarten | 70 m Seilstrecke in 7 m Höhe |
| Eröffnung | Oktober 2003 |
| Letzter Betriebstag | 26. September 2021 |
Der Boulderraum war eigenständig gedacht, nicht als Nebenfläche: 4 Meter Wandhöhe, gedämpfte Böden, eine Seite als Trainingswand mit Systemgriffen, dazu Volumenelemente und ein Quergang in zwei Schwierigkeiten. Die Boulder waren in sechs Stufen über Griffarben gestaffelt, von Gelb als leichtester Stufe über Orange nach Grün im mittleren Bereich.
Sektoren und Routen
Die neun Sektoren der Halle trugen die Namen echter Klettergebiete: Frankenjura, Kalymnos, Fontainebleau, Margalef, Ceüse, Arco, Finale, Yosemite und Eldorado. Innerhalb der Sektoren war nach Hakenreihen nummeriert, und jede Route trug einen eigenen Namen, einen Grad, eine Griffarbe, den Schrauber und ein Erschließungsdatum.
Aus dem archivierten Hallentopo lassen sich 167 Routen in 74 Hakenreihen rekonstruieren, 155 davon mit Schwierigkeitsgrad. Die Erschließungsdaten reichen von 2018 bis 2021. Das deckt sich mit der Selbstauskunft von 180 bis 200 Routen: geschraubt wurde laufend, Linien kamen und gingen. Die vollständige Liste samt Verteilung der Grade steht unter Hallentopo.
Für das Schrauben griff der Betrieb nach eigener Angabe auf mehr als zehn Griffhersteller zurück und arbeitete mit Schraubern auch aus dem Ausland. Der erklärte Schwerpunkt lag auf Abwechslung statt auf Rekordschwierigkeiten, bei einer Bandbreite von Kantenkletterei über Reibungspassagen im Kamin bis zu weit überhängenden Wänden und Dachdurchquerungen.
Angebot neben Klettern und Bouldern
Zum Kernangebot kamen Kletterkurse, Schnupperklettern, Kindergeburtstage sowie Schul- und Firmenevents. Der Hochseilgarten war dabei das eigenständigste Element: 70 Meter Seilstrecke in sieben Metern Höhe, installiert von der Firma SintRock, buchbar als Solotour mit Trainer oder als geführtes Gruppenevent. Wer schon einmal auf einem schwankenden Balken ohne festen Halt stand, weiß, dass die Schwierigkeit dort nicht in den Armen sitzt.
Ein Bistro und ein kleiner Shop gehörten dazu, dazu Schulungsräume für Kurse und Gruppen. Die Halle war damit weniger reine Sportstätte als Treffpunkt, was die Reaktionen auf die Schließung deutlich gemacht haben.
Tarife aus der Betriebszeit
Die folgenden Preise galten laut Preisliste ab dem 19. September 2016 und sind der letzte dokumentierte Stand. Sie stehen hier als Beleg, nicht als Auskunft: die Halle nimmt seit September 2021 kein Eintrittsgeld mehr.
| Tarif | Montag bis Freitag | Wochenende und Feiertag |
|---|---|---|
| Klettern, Erwachsene und Jugendliche | 11,00 € | 13,00 € |
| Klettern, Kinder bis einschließlich 14 Jahre | 6,50 € | 7,50 € |
| Early Bird bis 14:30 Uhr, Erwachsene | 10,00 € | – |
| Bouldern, Erwachsene und Jugendliche | 6,00 € | 6,00 € |
| Bouldern, Kinder bis einschließlich 14 Jahre | 3,00 € | 3,00 € |
| Zehnerkarte Klettern, Erwachsene | 99,00 € | 99,00 € |
| Jahreskarte Bouldern, Erwachsene | 199,00 € | 199,00 € |
Die Öffnungszeiten der letzten Sommersaison, von Mai 2020 bis September 2021, lagen montags bis freitags bei 16 bis 22 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen bei 11 bis 18 Uhr. In der Coronaphase kam zeitweise eine Aufenthaltsbegrenzung von drei Stunden dazu, und Umkleiden, Duschen und Spinde blieben gesperrt.
Das Gebäude: ein Kesselhaus als Kletterhalle
Dass die Halle in einem denkmalgeschützten Kesselhaus lag, war keine Kulisse, sondern die bestimmende Größe. Ein Kesselhaus einer Spinnerei ist hoch, weil die Anlagen hoch waren, und genau diese Höhe machte den Bau für eine Kletterhalle brauchbar. Die Wandhöhen von 10,5 und 12 Metern ergaben sich aus dem Bestand, nicht aus einem Entwurf auf grüner Wiese.
Der Umbau musste sich damit an die vorhandene Struktur halten. Statt einer durchgehenden Kletterwand entstanden Bereiche, die dem Grundriss folgten, mit Kanten, Verschneidungen und einem Kamin, in dem Reibungsklettern möglich war. Diese Vielfalt der Wandformen wurde in der Selbstdarstellung der Halle regelmäßig als Stärke genannt, und sie ist in einem Neubau schwer herzustellen.
Was von der Kletterhalle Magnesia in Forchheim geblieben ist
Das Gebäude steht, der Betrieb nicht. Was sich erhalten lässt, sind die Daten: die Eckdaten der Anlage, das Hallentopo mit seinen Sektornamen und die Abfolge der letzten Jahre. Für Forchheim selbst ist die Lücke inzwischen geschlossen, das Klettern in der Stadt ist nicht mit der Kletterhalle Magnesia in Forchheim zu Ende gegangen.
Wer die Halle gekannt hat, erkennt sie im Topo wieder: eine 4+ namens „Ufo“ im Sektor Frankenjura, eine 7 namens „Be Happy“ 3 Hakenreihen weiter. Das sind die Spuren, an denen eine Kletterhalle Magnesia in Forchheim länger sichtbar bleibt als an ihrer Adresse.
Häufige Fragen
Wann wurde die Kletterhalle Magnesia eröffnet?
Im Oktober 2003, im denkmalgeschützten Kesselhaus der ehemaligen Spinnerei Forchheim. Der Betrieb lief 18 Jahre.
Warum hat die Halle geschlossen?
Die Betreiber nannten in ihrer Abschiedsmitteilung vom September 2021 „verschiedene Faktoren der letzten Zeit und aus dem Umfeld“, ohne diese aufzuschlüsseln. Eine öffentlich belegte Einzelursache gibt es nicht. Der letzte Betriebstag war der 26. September 2021.
Wie groß war die Kletterfläche?
1.400 m² Kletterfläche und zusätzlich 200 m² Boulderfläche in einem eigenen Raum. Die Wände waren 10,5 und 12 Meter hoch, die längsten Routen etwa 20 Meter.
Wie viele Routen gab es?
Der Betreiber gab 180 bis 200 Routen an. Das archivierte Hallentopo führt 167 Routen in 74 Hakenreihen und neun Sektoren, 155 davon mit Schwierigkeitsgrad. Die Liste steht unter Hallentopo.
Gelten die genannten Preise noch?
Nein. Die Tabelle unten gibt den letzten dokumentierten Tarifstand wieder, gültig ab dem 19. September 2016. Sie ist ein historischer Beleg und keine Preisauskunft.
Wo klettert man in Forchheim heute?
Am Ort führt die Frankenjura Academy Kletter- und Boulderflächen. Draußen beginnt der Frankenjura direkt vor der Stadt.